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Maiaufruf der CGM „Eine Frage der Gerechtigkeit“

Der Tag der Arbeit hat für die christliche Gewerkschaftsbewegung einen ganz besonderen Stellenwert. Alle Jahre wieder sieht sich auch die Christliche Gewerkschaft Metall (CGM) in der gesellschaftlichen Verantwortung, die Bedeutung des 1. Mais für die organisierte Arbeitnehmerschaft in Erinnerung zu rufen. „Im weitesten Sinne ist die Geschichte der Arbeitnehmerbewegung auch eine Geschichte des Kampfes um die Demokratie und den Sozialstaat“, stellt der CGM-Bundesvorsitzende Adalbert Ewen fest.

Die Geschichte des Sozialstaates sei nicht nur ein Verdienst der Politik, sondern auch der Gewerkschaften, nicht zuletzt der Christlichen Gewerkschaftsbewegung im 19. Jahrhundert, die sich für die Rechte und Interessen der Arbeitnehmer in diesem Land stark gemacht hat. Otto von Bismarck führte Ende des 19. Jahrhunderts erstmals Sozialgesetze ein, die eine Kranken- Unfallsowie eine Alters- und Invalidenversicherung umfassten. „Die Menschen in diesem Land können sich heute, auch im Vergleich zu anderen Staaten, über eine gute soziale Absicherung freuen“, so Ewen.

Es ist dieser soziale Gedanke, die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit, die die CGM an diesem Tag der Arbeit besonders in den Fokus stellen möchte. Ein Thema das in der aktuellen Diskussion in unserem Land einen neuen Höhepunkt erreicht, wie aktuelle Umfragen offenbaren. Die Menschen haben das Gefühl, dass die soziale Gerechtigkeit in Deutschland ins Ungleichgewicht geraten ist, auch aufgrund der Debatten um Steuerflucht und überzogene Manager-Boni. „Die Wiedereinführung eines gerechten Leistungsprinzips ist unabdingbare Grundlage dafür, das Gerechtigkeitsempfinden in diesem Land wiederherzustellen“, fordert daher der CGM Bundesvorsitzende.

Die Frage nach sozialer Gerechtigkeit müsse dabei in viele verschiedene Richtungen gedacht werden: „Wir Menschen sind nicht alle gleich. Wir besitzen unterschiedliche Fähigkeiten und Talente, und unterschiedliche Lebensbedingungen zeichnen unseren Lebensstandard aus. Daher müssen auch die unterschiedlichen Bedürfnisse bedacht werden“. Die neue Schnelllebigkeit und der Wandel in der Arbeitswelt stellten hierbei eine neue Herausforderung dar: „Der Arbeitsplatz hat einen anderen Stellenwert in unserer Gesellschaft eingenommen. Es geht heute nicht nur um den Verdienst, sondern auch die berufliche Selbstverwirklichung spielt eine große Rolle“.

Und auch die Aufstiegsmöglichkeiten im Beruf hätten sich im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten verändert: Wo es früher möglich war, sich durch Leistung und über Berufserfahrung für eine höhere Position zu qualifizieren, entscheide heute der Bildungsabschluss. Deshalb sollten gerechte Bedingungen bei der Ausbildung und der gesellschaftlich-sozialen Entwicklung für alle gegeben sein. „Chancengleichheit ist und bleibt illusorisch. Aber das Streben nach Chancengerechtigkeit muss die Grundlage unseres Handelns bilden“. Der Zugang zu Bildung müsse gewährleistet sein, ebenso eine individuelle Förderung für den Einzelnen und seine Fähigkeiten. An oberster Stelle stehe für den Arbeitnehmer jedoch nach wie vor, von seiner Hände Arbeit leben zu können. Das gelte sowohl für das aktive Arbeitsleben, als auch für die Zeit danach: die Rente.

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Gedruckt am 26.06.2019 16:03.