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Zehn Jahre Pforzheimer Abkommen – Dulger verkennt Ursache der damaligen Krise - CGM mit der Einschätzung des Gesamtmetallchefs nicht einverstanden

Vor zehn Jahren trat das sogenannte „Pforzheimer Abkommen“ in Kraft, nach dem Abweichungen von tarifvertraglichen Regelungen in Krisenzeiten auf betrieblicher Ebene zu Lasten der Beschäftigten möglich wurden. „Das Abkommen wurde damals heiß diskutiert. Heute hat es sich weitestgehend bewährt und Niederschlag in vielen Tarifverträgen gefunden“, meint der Bundesvorsitzende der Christlichen Gewerkschaft Metall (CGM) Adalbert Ewen.

Die CGM habe mit dem Arbeitgeberverband Ostmetall bereits Jahre zuvor ein ähnliches Abkommen geschlossen, das in vielen Unternehmen übernommen wurde und mit seinen vielfältigen Flexibilisierungsmöglichkeiten (Jahresarbeitszeit, Gewinnbeteiligung, Zeitkorridore) notwendige Tarifinstrumente zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft bereitstellte. Beide Abkommen hätten in vielen Fällen dazu genutzt werden können, Betriebe vor der Insolvenz zu bewahren oder an der Verlagerung ins Ausland zu hindern. „Mit der Einschätzung des Gesamtmetallpräsidenten Rainer Dulger, die damaligen Tarifverträge hätten dazu geführt, dass Anfang des Jahrtausends Deutschland als „kranker Mann Europas“ angesehen wurde, ist die CGM überhaupt nicht einverstanden“, so Ewen. Nicht die damaligen Tarifverträge seien für die konjunkturelle Schwäche verantwortlich gewesen, sondern dafür habe es andere Gründe gegeben. Die damalige Krise sei eine internationale gewesen, schon deshalb könnten deutsche Tarifverträge gar nicht ursächlich gewesen sein. Der CGM Bundesvorsitzende ist sich sicher: „Auf die zunehmende Globalisierung mussten sich unsere Betriebe erst einmal einstellen, und auch die damalige Währungsentwicklung hat sicherlich einen Teil zur damaligen wirtschaftlichen Schwäche Deutschlands beigetragen.“

Gute Tarifverträge seien grundsätzlich nicht die Ursache einer wirtschaftlichen Krise, schon gar nicht einer flächendeckenden, denn es gäbe unzählige verschiedene Tarifverträge, deren Unterschiede so groß seien, dass sie in Summe nicht für eine schlechte Konjunktur verantwortlich gemacht werden könnten. Trotzdem hätten sich Phoenix und das Pforzheimer Abkommen bewährt, da sie sich als probate Mittel erwiesen hätten, in schwierigen Zeiten flexibel reagieren zu können. Ewen: „Das Pforzheimer Abkommen hat nicht den „kranken Mann Europas“ vor den Tarifverträgen gerettet, aber es war das richtige Mittel zum richtigen Zeitpunkt auf eine Krise zu reagieren, die ganz andere Ursachen hatte.“

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Gedruckt am 22.11.2019 8:09.