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CGB Maiaufruf 2014 Mindestlohn alleine reicht nicht!

Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland nimmt ein vom Gesetzgeber initiierter Mindestlohn konkret Gestalt an. Eine Entwicklung, die bei unseren europäischen Nachbarn schon lange abgeschlossen und gesellschaftlich akzeptiert ist, auch wenn der Mindestlohn nicht nur Probleme löst, sondern auch neue Probleme schafft. Die Einführung eines Mindestlohns führt auch zu einer neuen Ausrichtung unserer Gewerkschaftsarbeit. Unsere Aufgaben als christliche Gewerkschaften werden zukünftig im Aushandeln eines auf Ausbildung, Qualifikation und Leistung gerichteten Lohn- und Vergütungsgitters liegen, welches auf dem Mindestlohn aufbaut. Der Abstand der tarifvertraglichen Vergütungsgruppen muss in Zukunft noch stärker Ausbildung, Verantwortung und Engagement eines Mitarbeiters berücksichtigen. Das ist unser Auftrag für die zukünftige gewerkschaftliche und betriebliche Arbeit.

Der CGB und seine Mitgliedsgewerkschaften haben bereits auf dem 15. Ordentlichen Bundeskongress 2013 in Dresden die Weichen für die Umsetzung eines flächendeckenden Mindestlohns als allgemeine Lohnuntergrenze gestellt. Wir haben klargestellt, dass Deutschland eine allgemeine Lohnuntergrenze braucht, weil Arbeit nicht nur zum Zweck hat, das Lebenseinkommen zu sichern, sondern weil Arbeit vor allem auch eine Würde hat. Eine Vollzeitbeschäftigung, deren Einkommen so niedrig ist , dass immer noch Anspruch auf staatliche Aufstockung besteht , hat diese Würde nicht . Ein Arbeitnehmer in Deutschland muss von seiner Arbeit leben können, wenn er in Vollzeit arbeitet! 

Diese Botschaft bringen wir in die Betriebe. Unser Erfolg bei den diesjährigen Betriebsratswahlen betätigt uns in unserer Arbeit und zeigt, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben. In fast allen Betrieben, in denen wir an den Betriebsratswahlen teilgenommen haben, konnten wir unsere Mandate deutlich ausbauen. Ein Zuspruch der Beschäftigten in den Belegschaften, der unsere Arbeit vor Ort für die Menschen belohnt und würdigt . Gute Betriebsarbeit ist aber nur möglich, wenn alle Beschäftigten mit ihren Meinungen und Ideen mitgenommen werden. Dies kann eine einzige Gewerkschaft niemals leisten. Deswegen brauchen wir viele unabhängige Gewerkschaften, die die Interessen ihrer Mitglieder und damit alle Interessen im Betrieb gegenüber dem Arbeitgeber vertreten!

Wenn der Mindestlohn ein Erfolg werden soll, müssen gleichzeitig Wege gefunden werden, um einen Missbrauch durch eine geschickte Umgehung der Lohnuntergrenze zu verhindern. Schnell hat sich gezeigt, dass viele Arbeitgeber mit windigen arbeitsrechtlichen Konstruktionen Möglichkeiten finden, um Mindestlöhne auszuhebeln. Gewerbliche Werkverträge, die Tarifverträge, Mindestlöhne und Mitbestimmung unterlaufen sind in vielen Branchen leider Bestandteil der Arbeitswelt geworden. Ob gewerbliche (Schein- ) Werkver träge im Handel und der Industr ie oder die Ausweitung der Scheinselbstständigkeit im Friseurhandwerk, diese Entwicklung müssen wir stoppen!

Wir als christliche Gewerkschaften haben klare Forderungen zur Verhinderung des Missbrauchs von Werkverträgen und Scheinselbstständigkeit verabschiedet. Diese Forderungen werden wir gemeinsam mit Nachdruck verfolgen! Für diese vielfältigen Aufgaben brauchen wir viele starke Gewerkschaften, denn eine Gewerkschaft allein kann die Vielfalt der Beschäftigungsverhältnisse nicht widerspiegeln. Wir christlichen Gewerkschaften sind ein Teil der Gewerkschaftslandschaft und werden unseren Beitrag dazu leisten, dass der Mindestlohn in Deutschland ein Er folg wird!

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Gedruckt am 23.10.2019 19:38.