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Stellungnahmen

CGB Maiaufruf 2016 - Arbeitsplätze sichern in einem solidarischen Europa!

Noch nie hat sich Europa und seine Gesellschaft so schnell gewandelt, wie in den letzten Monaten seit Beginn der Flüchtlingskrise. Noch nie stand Europa seit dem Schengener Abkommen so nah an einem Scheideweg, dass das Auseinanderbrechen der Europäischen Union in greifbare Nähe rückt. Noch nie sind die gesellschaftspolitischen Ansichten und Differenzen der europäischen Staaten so deutlich hervorgetreten, wie in den vergangenen 8 Monaten. Die reine Anzahl von Menschen, die nach Europa und nach Deutschland kommen, spalten die europäische Gesellschaft auf eine Art und Weise, wie es wohl kaum jemand für möglich gehalten hätte.

Die Kluft zwischen den europäischen Bürgern, die die Neuankömmlinge als Bereicherung und Chance begreifen und denen, die in den Menschen eine Bedrohung für die Werte und Lebensweise des alten Europa ansehen, wird stetig größer. Verschärft wird der Konflikt durch die offensichtliche Unfähigkeit der Politik, eine praktikable Lösung der Flüchtlingsproblematik zu erarbeiten und der eigenen Bevölkerung verständlich zu machen.

Selbstverständlich wird diese Entwicklung nicht an den deutschen Arbeitsplätzen und Arbeitsverhältnissen und auch nicht an den Beschäftigten selbst vorbeigehen. In den nächsten Jahren werden sich der Arbeitsmarkt und damit auch die Arbeit und die Arbeitsbedingungen ähnlich drastisch verändern, wie es in den 50iger und 60iger Jahren in der jungen Bundesrepublik Deutschland der Fall war, als viele Gastarbeiter – vor allem aus Italien und der Türkei – in unser Land kamen und damit auch Teil des viel und gerne zitierten Wirtschaftswunders waren. Die heute zu erwartende Entwicklung birgt natürlich Risiken, aber auch viele Chancen!

Hier sind wir als christliche Gewerkschafter gefordert. Wir müssen uns dieser Herausforderung, die auch unsere Arbeitsplätze in absehbarer Zeit betreffen wird, stellen. Für uns geht es um den Erhalt der Arbeitsplätze und der Arbeitsbedingungen in einem solidarischen Europa! Es darf nicht dazu kommen, dass Arbeitnehmer gleich welcher Nationalität dadurch gegeneinander ausgespielt werden, dass die Arbeitgeberseite einseitig versucht, den durch zu wenig Ausbildung verursachten Fachkräftemangel durch Rekrutierungsmaßnahmen zu kaschieren. Wir müssen uns dafür stark machen, dass die Ausbildungsquote gerecht für alle erhöht wird!

Genauso werden wir als christliche Gewerkschafter dafür eintreten, dass es gerade keine Ausnahmen vom Mindestlohn gibt! Ausnahmen vom Mindestlohn schaden nicht nur den Arbeitnehmern, die den Mindestlohn nicht erhalten, sondern auch allen anderen, da plötzlich Arbeitnehmer mit Anspruch auf Mindestlohn in Konkurrenz mit Arbeitnehmern ohne Anspruch auf Mindestlohn treten. Diese Spaltung in eine „Zwei- Klassengesellschaft“ im Niedriglohnsektor müssen wir gemeinsam verhindern.

Wir als christliche Gewerkschafter werden uns an der Integration aller in den Arbeitsmarkt beteiligen. Wir werden gemeinsam mit allen Sozialpartnern an Lösungen arbeiten, die es allen Beschäftigten ermöglichen, unter den sich verändernden Bedingungen zu arbeiten und ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Und dabei werden wir den Menschen und seine Bedürfnisse nicht aus den Augen verlieren.

Das war bisher unsere Aufgabe als christliche Gewerkschafter und das wird unsere Aufgabe als christliche Gewerkschafter in Zukunft sein. Und wir werden unsere Aufgabe auch in Zukunft meistern!

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Gedruckt am 16.06.2019 13:14.