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CGM Baden-Württemberg: „Tarifeinheit schadet allen Beschäftigten“ Vor der Bundestagssitzung: Deutliche Signale aus Baden-Württemberg

Wenn eine Gewerkschaft wie die GDL den Bahnverkehr nahezu lahm legt, dann erhält das geplante Gesetz zur Tarifeinheit besondere Aktualität. Die Christliche Gewerkschaft Metall (CGM) in Baden-Württemberg will die Diskussion versachlichen: „Hier geht es nicht nur um eine kleine Gewerkschaft, sondern um ein elementares Grundrecht“, sagt der Vorsitzende Markus Malm im Vorfeld der Bundestagssitzung am Freitag. Wird das Gesetz zur Tarifeinheit verabschiedet, „hat das verheerende Auswirkungen für Dutzende Gewerkschaften, nicht nur für die GDL“.

Unterstützung kommt von den CGM-Betriebsgruppen bei Daimler in Sindelfingen und Bosch AS in Schwäbisch Gmünd. Das Gesetz sieht vor, dass in Zukunft nur noch die jeweils größte Gewerkschaft in einem Betrieb das Sagen hat, weil nur deren Tarifvertrag gilt. „Letztlich bedeutet das, dass die größeren Gewerkschaften in ihrem Kampf um Mitglieder auf unsere Kosten einen wichtigen Etappensieg erringen“, sagt Malm. „Aber nur noch etwa 20 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind heute überhaupt Mitglied in einer Gewerkschaft. Und trotzdem will die Bundesregierung die Verfassung brechen? Das ist fatal!“

Wie sich die Tarifeinheit auswirken würde, schildern Jürgen Stahl, Betriebsrat bei Daimler in Sindelfingen und CGM-Bezirksvorsitzender in Herrenberg-Böblingen, und Martin Rott, Betriebsrat und Aufsichtsrat bei Robert Bosch Automotive Steering in Schwäbisch Gmünd. „Die Tarifeinheit nutzt nur den großen Gewerkschaften“, sagt Jürgen Stahl. „Dabei wählen die Arbeitnehmer immer mehr kleinere Listen - weil sie dort persönlicher betreut werden. Eine Einheitsgewerkschaft ist nur im Sinn der Großen und der Unternehmensleitungen, weil sie ihre Forderungen leichter durchsetzen können. Haben wir denn aus dem Negativbeispiel DDR nichts gelernt? Mehr Betriebsfrieden kehrt durch das Gesetz nicht ein, ganz im Gegenteil. Für Daimler wäre das ein falsches Signal.“

Martin Rott befürchtet große Veränderungen in den Betrieben, wenn die Vielfalt verloren geht: „Bei uns ist der Mensch im Mittelpunkt, unsere Türen stehen immer offen - egal, ob die Kollegen bei uns, in einer anderen Gewerkschaft oder gar nicht organisiert sind. Wir sind in erster Linie Betriebsräte und dann erst Vertreter der CGM.“ Er befürchtet massive Einschnitte bei Bosch AS, vor kurzem noch ZLFS: „Auch nach der vollständigen Übernahme durch Bosch und trotz der laufenden Umstrukturierung muss es in erster Linie um die Menschen gehen. Wir kümmern uns darum, persönlich, menschlich und nah. Wir sind als Alternative extrem wichtig. Sonst werden wir bald nur noch rein ergebnisorientiert geführt.“

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Gedruckt am 26.09.2020 0:36.