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Strukturelle Verbesserungen statt Lifestyle-Polemik – Ein Plädoyer für attraktive Vollzeitarbeit

Der Christliche Gewerkschaftsbund Deutschlands (CGB) bezieht klar Stellung gegen die jüngsten Bestrebungen aus dem Wirtschaftsflügel der CDU, das Recht auf Teilzeitarbeit einzuschränken. In einer Zeit, in der die politische Debatte durch Begriffe wie „Lifestyle-Teilzeit“ angeheizt wird, mahnt der CGB zur Sachlichkeit. Die Wortwahl suggeriert fälschlicherweise, dass ein nennenswerter Teil der Beschäftigten ein bequemes Leben auf Kosten der Allgemeinheit macht. Diese Form der Diffamierung verkennt jedoch die wirtschaftliche Realität der betroffenen Menschen. Teilzeitarbeit ist für die überwiegende Mehrheit kein Ausdruck von Luxus oder Freizeit, sondern schlicht eine Notwendigkeit, um den Lebensunterhalt unter den gegebenen Rahmenbedingungen überhaupt bestreiten zu können.

Ein Blick auf die aktuellen Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) macht deutlich, dass die Warnung vor einer drohenden „Teilzeitkrise“ jeglicher Grundlage entbehrt. Zwar ist die Anzahl der Teilzeitstellen statistisch gestiegen, doch dies hat keineswegs zu einem Sinken des gesamten Arbeitsvolumens in Deutschland geführt. Im Gegenteil leisten Teilzeitbeschäftigte heute pro Kopf deutlich mehr Stunden als in den vergangenen Jahrzehnten.

Der Anstieg der Quoten ist vielmehr ein Zeichen für den Erfolg am Arbeitsmarkt: Immer mehr Frauen und ältere Arbeitnehmer nehmen am Erwerbsleben teil. In früheren Statistiken tauchten diese Personengruppen oft gar nicht auf, da Frauen häufig vollständig zu Hause blieben und Senioren früher aus dem Berufsleben ausgeschieden sind. Die heutige Teilzeitquote spiegelt also eine höhere Erwerbsbeteiligung wider, die durch die polemische Debatte nun diskreditiert wird.

Anstatt die Betroffenen zu diffamieren, muss die Politik endlich die strukturellen Hürden angehen, die Vollzeitarbeit derzeit unattraktiv oder gar unmöglich machen. Der CGB sieht hierbei insbesondere den massiven Ausbau der Kinderbetreuungsinfrastruktur als vordringlich an. Wenn für über 14 Prozent der Kinder unter drei Jahren schlichtweg kein Kitaplatz vorhanden ist, erübrigt sich jede Debatte über eine freiwillige Arbeitszeitreduzierung. Neben der Infrastruktur bedarf es jedoch auch einer grundlegenden Reform des Steuer- und Abgabensystems. Das aktuelle Modell der Minijobs setzt Fehlanreize, da es für Arbeitnehmer attraktiver sein kann, eine Teilzeitstelle mit einem steuerfreien Minijob zu kombinieren, anstatt die Stunden im Hauptberuf aufzustocken. Eine deutliche Anhebung der Steuerfreibeträge bei gleichzeitiger Begrenzung der Minijobs würde hier echte Anreize für Vollzeitarbeit schaffen.

Zusätzlich fordert der CGB eine mutige Reform des Ehegattensplittings sowie eine konsequente Bekämpfung der kalten Progression. Wenn Gehaltserhöhungen durch Steuersätze aufgezehrt werden, sinkt die Motivation, mehr Stunden zu leisten. Eine Kopplung der Progression an die durchschnittliche Lohnentwicklung ist daher unumgänglich. Nur durch eine Verbesserung der Rahmenbedingungen – von der Kita-Betreuung bis hin zu einem gerechteren Steuersystem, das Mehrarbeit belohnt statt bestraft – kann dem Fachkräftemangel wirksam begegnet werden. Polemische Anträge auf Parteitagen hingegen spalten die Gesellschaft und lenken von den Versäumnissen der Politik ab, die Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts endlich familiengerecht und finanziell lohnend für alle zu gestalten.

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Gedruckt am 04.02.2026 1:22.